Essen, wann immer Du möchtest und dann auch noch genau das, worauf Du Lust hast? Das Konzept intuitiv essen macht es möglich. Alle, die sich jetzt auf eine Ausrede für ungehemmtes Schlemmen zu jeder Tages- und Nachtzeit gefreut haben, müssen wir aber herb enttäuschen: So einfach ist das Ganze natürlich nicht.
Grundlagen: Hunger vs. Appetit
“Entweder ich hab‘ Hunger oder mir ist schlecht!” – Ja, so geht es vielen von uns. Eigentlich heißt das aber nur, dass wir Hunger mit Appetit verwechseln. Echten Hunger kennen viele von uns gar nicht mehr, und das ist gut so. Mit Hunger zeigt der Körper, dass es dringend an der Zeit ist, ihm Energie und Nährstoffe zuzuführen. Appetit ist die Lust auf etwas Leckeres, oft etwas ganz Bestimmtes. Das kann dann zu nächtlichen Hamsterkäufen an der Tankstelle führen.
Appetit kommt meist lange vor dem Hunger und wird oft auch direkt gestillt: “Das brauche ich jetzt!” – In Wahrheit brauchst Du keine doppelte Portion Käse-Nachos, und das weißt Du so gut wie wir. Wer bei jedem Anflug von Appetit isst, nimmt unterm Strich automatisch mehr Kalorien zu sich als nötig.
Ohne Hunger ständig zu essen ist also das eine Problem. Das andere sind zu große Portionen. Achtest Du während des Essens darauf, wann genau Dein Sättigungsgefühl eintritt? Und falls ja, lässt Du dann die Gabel fallen oder isst Du Deinen Teller trotzdem leer? Die meisten von uns essen einfach die Portion, die sie gewöhnt sind und hinterfragen das nicht weiter. Nicht aufzuessen gilt außerdem immer noch als unhöflich, aber weißt Du, was wir unhöflich finden? Jemanden zu zwingen, etwas zu essen, das ihm gar nicht gut tut!
Die Gene sind schuld
Dass wir über unseren Hunger essen, steckt auch in unseren Genen: Den Nahrungsüberfluss, in dem heute große Teile der Weltbevölkerung leben, gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Längere Hungerperioden – für viele von uns heute kaum vorstellbar – waren früher die Realität. Der Körper ist dementsprechend darauf programmiert, in guten Zeiten möglichst viel Nahrung aufzunehmen, um eine Reserve für die nächste schlechte Zeit zu schaffen.
Nahrungsmittelknappheit ist zum Glück sehr selten geworden, zumindest in unseren Breitengraden. Eine große Reserve ist nicht mehr nötig, aber die Lust, mehr zu essen als man im Moment braucht, ist geblieben. Ein bisschen kann man das aber abtrainieren: Kleine Portionen, langsam essen und jeden Bissen genießen. Auf Dauer merkst Du deutlich, ob Du wirklich noch Hunger hast oder nur weiter isst, weil Du noch was auf dem Teller hast.
Was bedeutet intuitiv essen?
Intuition, das ist so was wie ein Bauchgefühl, ein Gespür für etwas, das nicht allein auf dem Verstand beruht. In Bezug auf Nahrung versteht man darunter, weder nach einem strikten Ernährungsplan zu essen noch alles zu verdrücken, das sich bei drei nicht tief genug im Kühlschrank versteckt hat. Es geht darum, die Bedürfnisse des Körpers zu verstehen und ihm – unkompliziert und ohne Druck – das zu geben, was gut für ihn ist.
Das Konzept intuitiv essen ist damit eigentlich Teil eines größeren Ganzen: back to nature, lernen, auf den eigenen Körper zu hören, Achtsamkeit und so. Ihm zugrunde liegt die Ansicht, dass ein gesunder Organismus weiß, was das Beste für ihn ist und was ihm schadet. Wie Tiere, die instinktiv wissen, welche Pflanzen essbar und welche giftig sind oder aufhören zu fressen, wenn sie satt sind.
In der Theorie weiß ein gesunder, achtsamer Mensch also von selbst, wann, was und wie viel er essen sollte. In der Praxis klappt das manchmal nicht so gut, aber dafür sind wir ja da.